Was mich leitet:

Im Studium und auch später in der Schule lehrte man uns "Lehrämtler" die Achtung vor der Individualität jedes Menschen. Ich finde, dass auch Pferde dieses Recht besitzen: Ein Recht auf liebevolle Anerkennung, auf individuelle Ausbildung, auf Rücksichtnahme und auf Geduld. Pferde haben ein eigenes Lebensrecht und sind nicht dafür da, unsere Wünsche zu erfüllen. Sie leben im Hier und Jetzt, brauchen keine "Entwicklungspläne" und kümmern sich nur selten um unseren sportlichen Ehrgeiz. Es ist keine Kunst, Pferde zum Gehorsam zu bringen (Schlaufzügel und Rollkur beweisen das leider allzu oft), sondern die Kunst beginnt damit, wie man diesen Gehorsam erreicht. Das kann meiner Ansicht nach nur in echter Partnerschaft und beidseitiger Wertschätzung geschehen, bei der Reiten als Selbstzweck und nicht (nur) als Leistungssport gesehen wird. Ziel der klassisch-barocken Reitweise ist die "Arbeit auf den Gedanken", und wirklich gute Reiter scheinen nicht nur so, als würden sie ihr Pferd einzig über Gedanken reiten und arbeiten, sie tun es tatsächlich: Durch klare innere Bilder, eine große Portion Pferdeliebe und viel Einfühlungsvermögen. Das ist die wahrhaft große Aufgabe, die uns Reiter ein Leben lang begleitet und nicht nur auf unsere Reiterei, sondern auch in unser Leben strahlt.